Eine literarische Kostprobe

Liebe Kunden und Freunde der Provence!
Darf es eine literarische Kostprobe aus Südfrankreich sein?
Nachstehend ein kurzer Text von Alphonse Daudet aus dem Roman

"Die wunderbaren Abenteuer des Tartarin von Tarascon".
Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Christine Freysmuth

Mein erster Besuch bei Tartarin von Tarascon ist mir ein
unvergeßliches Erlebnis geworden; es ist zwölf bis fünfzehn Jahre her,
aber ich erinnere mich daran so deutlich an wie an den gestrigen Tag.
Der unerschrockene Tartarin wohnte damals am Eingang der Stadt, im
dritten Haus links an der Straße nach Avignon. Es war eins von den
hübschen kleinen Landhäusern in Tarascon, mit einem Garten vorn und
einem Balkon hinten, mit hellen weißen Mauern und grünen Fensterläden;
und auf der Schwelle lagerten die Savoyardenbuben und spielten Mühle
oder schliefen in der lieben Sonne, den Kopf auf ihrem
Schuhputzkasten.


Nein, von außen merkte man dem Hause nichts an. Niemand hätte
geglaubt, vor der Wohnstatt eines Helden zu stehen. Aber wenn man
hineinging! Donnerwetter noch einmal, dann....Vom Keller bis zum Boden
sah das ganze Haus heldenmäßig aus, selbst der Garten!
O der Garten Tartarins, der hatte in Europa nicht seinesgleichen!
Nicht ein heimischer Baum, nichts, was sonst in Frankreich blüht, nur
exotisches Gewächs, Gummibäume, Flaschenkürbisse, Baumwollstauden,
Kokosbäume, ein Baobab, Opuntien, Kakteen, Berberfeigen: man glaubte
mitten im innersten Afrika zu sein, zehntausend Meilen fern von
Tarascon.Freilich hatte da nicht alles die natürliche Größe; so waren
die Kokosbäume nicht höher als Runkelrüben, und der Baobab
(Affenbrotbaum, Arbor gigantea) fand gemächlich Platz in einem
Resedentopf. Gleichviel, für Tarascon war es schon sehr hübsch, und
die Leute aus der Stadt, denen es am Sonntag vergönnt war, Tartarins
Baobab zu bewundern, gingen jedesmal voller Entzücken nach Hause.